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Touren & Betten > Reiseberichte > Andalusien-Tour (2008) > Tag 4

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Vista par Africa: An diesem Tag leider gar nicht. Einen schönen Geocache haben wir hier trotzdem gefunden.

Nach der kurzen Nacht sind wir die letzten am Frühstücksbuffet. Das Wetter zeigt jetzt richtig, was möglich ist: Strahlend blauer Himmel, nicht eine Wolke am Himmel. Wir beschließen, Richtung Süden zu fahren. Über die parallel zur Autobahn laufenden N 340 fahren wir Richtung Vejer und immer weiter auf die Südspitze Spaniens zu. Nach nur einer Stunde hängen wieder dichte Wolken am Himmel. Es ist nicht mehr weiter bis Tarifa, als wir einen plötzlichen Hinweis zum Punta Palomas sehen. Dort soll es einen Leuchtturm geben – oder besser gesagt, ein Leuchtfeuer, das aus einem Hausfenster scheint. Wir biegen ab auf die Nebenstraße, passieren eine gewaltige Wanderdüne und einen schönen Kiefernwald. Nur wenige hundert Meter erscheinen plötzlich die schlimmsten Warnschilder, die einem Leuchtturmfotografen begegnen können: »Militärischer Sicherheitsbereich«. Wir tun so, als könnten wir nicht lesen, aber mit jeder Biegung der Straße wiederholen sich die Schilder, und nun sogar auf deutsch. Schließlich setzt ein (geöffnetes) militärisches Sicherheitstor dem zivilen Charakter unserer Straße ein definitves Ende.

Wir hätten an dieser Stelle aufgeben sollen. Stattdessen parken wir den Wagen auf einem schönen Wanderparkplatz und schlagen uns auf ausgetretenen Schleichpfaden zum Strand hinab – erst noch durch Wald, dann auf Dünensand. Wir sehen das Meer vor uns, doch links und rechts ist kein Leuchthaus erkennbar. Über Trampelpfade stapfen wir weiter durch die Dünen und vorbei an zwei früheren Geschützstellungen. Kein Leuchtfeuer erkennbar. Nach längerer Suche resümieren wir, dass der Leuchtturm tatsächlich in dem Sicherheitsbereich zu finden sein muss. Wir hätten weitersuchen können, aber an dieser Stelle hatten wir keine Lust mehr. Nach einem anstrengenden Aufstieg fanden wir den Wagen wieder und brausten weiter Richtung Tarifa.

Tarifa. Der südlichste Punkt Europas. Von hier aus sind es noch 14 Kilometer bis Afrika.

Der Leuchtturm von Tarifa ist schon von Weitem zu sehen, wir werden ihn aber erst später besuchen. Hinter Tarifa, dem südlichsten Ort der iberischen Halbinsel, steigt die N 340 in die Berge hinauf. Hier soll man, so die Reiseführer, einen sensationellen Blick nach Afrika haben, doch wir hängen mittlerweile in einer dunstigen Wolkensuppe und können nichts sehen. Stattdessen suchen wir den Geocache »Vista par Afrika« und werden auch fündig. Ein erstes Erfolgserlebnis heute. Auf den umliegenden Berghängen stehen zahlreiche Windgeneratoren auf fragil wirkenden Eisengestellen, die in dem aufziehenden Nebel eine gespenstische Atmosphäre verbreiten.

Nur wenige Kilometer weiter finden wir in etwas flacherer Gegend einen zweiten Geocache, der uns die misslungene Leuchtturmsuche weiter vergessen lässt. Jetzt erst versuchen wir, den Leuchtturm von Tarifa auf Chip und Dia zu bannen, der genau an der engsten Stelle der Straße von Gibraltar steht. Bis zur marokkanischen Küste sind es von hier aus nur rund 14 km, die hier ablegenden Fährschiffe brauchen für die Fahrt nach Tangar nur rund 35 Minuten. Da der Nachmittag weiter fortschreitet, läuft die Zeit für uns, denn der Turm steht auf einer vorgelagerten Insel, auf der sich allerdings auch ein vom Militär genutzes Castillo befindet. Verschlossene Türen auch diesmal wieder. Wir machen trotzdem einige Bilder, auch wenn man auch von höheren Positionen aus den Fuß des Leuchtturms nicht auf das Bild bekommt. Immerhin sind Bemühungen erkennbar, diesen Punkt für Touristen interessanter zu machen. Es laufen diverse Vorbereitungen, ein nahes historisches Gebäude für Besucher herzurichten, und es scheint auch so, als ob man das gesperrte Castillo künftig begehen dürfte. Allerdings dürfte das noch einige Monate dauern.

Wir schauen noch ein wenig den Wellenreitern und Kite-Surfern zu und brechen dann Richtung Norden auf. Obwohl die Sonne schon rasch wieder sinkt, wollen wir zumindest noch einen weiteren Leuchtturm schaffen: Faro de Camarinal liegt auf unserem Rückweg, und so biegen wir über eine schöne Seitenstraße in Richtung Bolonia ab. Nach der Überquerung eines Bergkamms liegt der Atlantik vor uns. Den Leuchtturm, eigentlich in unmittelbarer Nähe vermutet, sehen wir in respektabler Entfernung. Ob diese Straße dorthin führt? Wir versuchen es: Es geht an einer römischen Ausgrabungsstätte vorbei an einen kleinen Küstenort. Die Straßen verlieren sich dahinter allerdings im Nichts. Immerhin können wir den Turm von einem Berghang aus fotografieren, aber noch immer trennen uns über hundert Meter Höhenunterschied und gut zwei Kilometer Entfernung. Mist!

Zweiter Versuch, nun wollen wir uns von Norden annähern: Die Straße zurück bis zur N 340, und dann ca. 15 km weiter Richtung Norden. Jetzt biegen wir wieder nach links ab Richtung Zahara de los Atunes (»Die Wüste der Tunfische« - wer denkt sich solche Namen aus?) an die Küste, wieder über den Berghang. In Zahara finden wir rasch den Hinweis nach Atlanterra und fahren wieder Richtung Süden. Wir haben Glück, dass wir außerhalb der Saison hier sind. Der Ort sieht aus, als ob hier in den Ferien der Bär steppt. Unvermittelt plötzlich Hinweise auf den Faro de Camarinal! Wir fahren durch eine Einbahnstraße durch die Siedlung, bis wir vor einer verschlossenen Schranke stehen – ab hier geht es nur noch zu Fuß weiter den Berg hinauf. Auch von hier unten aus sind aber Bilder möglich, und so begnügen wir uns als Zugeständnis an unsere Erschöpfung mit einigen Teleaufnahmen mit dem originellen Turm, der typisch ist für die andalusische Küste: Auf historischen Wachtürmen, in diesem Fall der Torro de Gracia, wurden dabei einfach auf einem kleinen Betonsockel eine Laterne aufgesetzt und so das historische Bauwerk zu einem Leuchtturm umfunktioniert. Auf diese Weise haben manche Türme seit den 1980er-Jahren auf ihre alten Tage noch eine neue Funktion bekommen.

Die Fotos sind im Kasten, und wir quälen uns wieder durch unzählige Rechts-vor-links-Regelungen und Langsamfahrgebote zurück nach Zahara. Dort verfahren wir uns kurz im Ort – der Durchgangsverkehr wird hier kurzerhand im Schritttempo über die letzte Schotterpiste geleitet, so dass man jederzeit das unvermittelte Ende der Straße erwartet. Die Einheimischen kennen sich aus und nehmen Schleichwege.

Anders als beim Hinweg nehmen wir ab Zahara die Küstenstraße Richtung Barbete. An einer Tankstelle versorgen wir uns mit Schokoriegeln. Es dämmert nun deutlich, und wir sind wieder halbwegs bei Kräften. Laut Karte sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Cabo Trafalgar mit seinem schönen Leuchtturm – wir wollen es versuchen, die untergehende Sonne mit dem Turm aufzunehmen. Natürlich finden wir aber im Ort an dem größten Kreisverkehr nicht einen brauchbaren Hinweis und biegen wieder einmal falsch ab. Bis Vejer de la Frontera führt uns dieser falsche Weg, von dort aus nehmen wir die nun gut ausgeschilderte Landstraße wieder zur Küste. An einer weiteren Tankstelle füllen wir unseren Tank mit Diesel für 1,09 € / Liter auf. Praktisch mit dem Sonnenuntergang fahren wir an der Schranke vor, die den Zufahrtsweg zum Leuchtturm versperrt. Allerlei Wohnmobile von Aussteigern stehen hier, mit holländischen und deutschen Kennzeichen. Es sind noch einige Leute unterwegs, die hier am schönen Strand und in den Dünen laufen. Leider verschwindet die Sonne zu schnell hinter einem dicken Wolkenfeld, so dass das erhoffte Foto ein Traum bleibt. Wir schauen zu, wie das Licht des Leuchtturms immer heller zu werden scheint und wie der Lichtstrahl bald über den Himmel wandert. Ein schöner Abend!

Blaue Stunde am Faro de Trafalgar.

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