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Apfelsinen am Leuchtturm Bonanza.

Die ganze Nacht über prasselt der Regen an die Balkontür. Beim Aufstehen zeigt sich der Himmel hell, aber überwiegend grau. Dann, während des Frühstücks, die kleine Sensation: Die gegenüberliegenende Hauswand wirft einen Schatten! Sonne!

Wir beginnen unseren ersten Leuchtturmtag weiter nördlich, an der Mündung des Rio Guadalquivir in den Atlantik. Unser Kartenmaterial ist für den Hausgebrauch ganz gut, aber in dem Straßengewirr zwischen Jerez und Chiclana machen wir dann doch den Fehler, statt über die A 4 durch das Stadtzentrum von El Puerto de Santa Maria zu fahren – nach einer längeren Orientierungslosigkeit finden wir wohlbehalten heraus und fahren auf Sanlúcar de Barrameda zu. Von hier aus geht es Richtung Nordosten, wo wir die ersten beiden Leuchttürme des Tages zu finden hoffen.

Der Faro de Bonanza im gleichnamigen, klangvollen Ort ist schnell gefunden. Er steht im arg heruntergekommenen Hafenbereich nahe eines Tonnenhofs, ist aber gut zugänglich. Auf dem Grundstück stehen zahlreiche Orangenbäume mit großen, gelben Früchten. Die Funktion des Turms ist uns nicht ganz klar: Er soll einmal als Unterfeuer gedient haben, worauf auch ein kleiner Anbau für eine zweite Lichtquelle hindeutet, der aber heute leer ist. Die Richtfeuerlinie wurde offenbar vor einigen Jahren etwas versetzt, zwei Gittermasten mit Dreieck-Tagmarkierungen haben diese Aufgaben übernommen. In der großen Laterne lässt sich aber eine Scheinwerferoptik erkennen, die flussaufwärts gerichtet ist – möglicherweise als Oberfeuer für abwärts fahrende Schiffe? Ein passendes Unterfeuer finden wir nicht.

Dafür finden wir aber recht unkompliziert das ehemalige zugehörige Oberfeuer St. Jeronimo, das nur rund 800 m weiter in einem (naturgeschützten?) Pinienwäldchen steht. Der 1982 außer Dienst gestellte Turm besitzt heute keine Laterne mehr. Erstaunt sind wir, dass der Eingang offen steht – wir wagen den Aufstieg über die Wendeltreppe, wo sich leider die Hinterlassenschaften zahlreicher Besucher wiederfinden. Oben angekommen, dämmert es uns allmählich wegen einer noch recht neuen Leiter zur obersten Ebene, dass wir keineswegs irgendeine illegale Aktion tätigen, sondern dass das ehemalige Oberfeuer heute tatsächlich als Aussichtsturm dienen soll. Hinweisschilder aller Art fehlen allerdings völlig. Die Aussicht ist dafür umso schöner, ruhig liegt die Flussmündung vor uns.

Nochmal der Faro de Bonanza, diesmal vom ehemaligen Oberfeuer aus gesehen. In der Ferne werden Touristen mit einem Landungsboot auf die andere Seite des Guadalquivir-Stromes gebracht.

Nach ein paar Fotos brechen wir in Richtung Chipiona auf, wo sich der größte Leuchtturm Spaniens befindet. Das imposante Bauwerk haben wir schon von unserem Aussichsturm aus gesehen. Wieder fahren wir durch den Kern von Sanlúcar de Barrameda, wo zahllose enge Einbahnstraßen dem Autoverkehr das Leben schwer machen. In Chipiona dagegen finden wir uns etwas besser zurecht und stehen plötzlich recht unvermittelt vor dem großen Leuchtturm, der als eine »spanische Spezialität« eine rundum verglaste Laterne besitzt. Wir können in der Nähe parken und spazieren durch die Straßen und die Promenade nahe des Leuchtturms. Der Himmel bewölkt sich zunehmend, doch das gute Wetter bleibt uns weitgehend erhalten.

Wir fahren weiter Richtung Süden. Nach der Bekanntschaft mit einer Ziegenherde und der Vorbeifahrt an dem riesigen Militärgeländes der spanischen Marine erreichen wir Rota. Schon von der Straße aus fallen uns die schönen bewaldeten Uferdünen im Stadtgebiet auf, die durch ein Netz von Bohlenwegen erschlossen werden. In der Innenstadt von Rota verfahren wir uns wieder und landen in einem undurchdringlichen Einbahnstraßen-Dschungel. Auf wundersame Weise finden wir irgendwann einen hafennahen Parkplatz und laufen zu den beiden Leuchttürmen, die direkt nebeneinander stehen: Der alte Turm, bestehend eigentlich nur aus einer Laterne, die auf einem alten Stadttor angebracht wurde, und dem modernen und deutlich höheren Betonturm. Die alte Laterne musste ersetzt werden, nachdem in der Nachbarschaft ein höheres Hotelgebäude entstand. Ihre ungewöhnliche Position direkt über einem Torbogen ist allerdings etwas außergewöhnliches. Auch sonst ist die Innenstadt ausgesprochen sehenswert.

Rota: Klares blaues Wasser. Nur ein bißchen kalt.

Zurück im Auto brechen wir zu unserer letzten Station für heute: Puerto Sherry, gelegen irgendwo in der großen Bucht zwischen Rota und Cadiz. Wieder schweigt sich unsere Karte beharrlich aus, und so fahren wir nach »Gefühl« immer an der Küste lang. Es geht im Kriechtempo durch Vorstadtsiedlungen, bis wir eher zufällig nach nervenaufreibender Fahrerei den Hafen finden.

Dass der Hafen den gleichen Namen trägt wie der berühmte Likörwein ist kein Zufall. Im Städtedreieck Jerez de la Frontera – Sanlúcar de Barrameda – El Puerto de Santa María wird der Wein hergestellt, der diesen Namen ausschließlich tragen darf. Der Puerto Sherry spielte bei dem Export des Getränkes eine tragende Rolle – das ist heute längst vorbei, hier liegen nahezu ausschließlich Sportboote an den zahlreichen Liegeplätzen. Mit anderen Häfen verglichen, ist dies ein merkwürdiger Ort: Nebenan befindet sich eine offenbar bewachte Wohnsiedlung aus zahllosen kleinen verwinkelten Häuschen, die alle so kunterbunte Fassaden haben, als würden sie in Entenhausen stehen. Wir machen bereits an der Schranke mit einem missmutig dreinblickenden Wachdienst kehrt. Eine andere Straße führt direkt in den Hafen, und wieder kommen wir an einer Schranke vorbei. Da sich hier das Wachpersonal nicht für uns interessiert, fahren wir gleich durch bis zum Leuchtturm, der gleichzeitig auch das Kontrollzentrum des Hafens beherbergt. Der ungewöhnliche Baustil des Turms mit pseudo-orientalischen Einflüssen setzt sich auch in zahlreichen anderen Gebäuden des Hafenkomplexes fort. Geduldig warten wir für die Fotos auf ein paar Sonnenstrahlen, während diverse Katzen um ein paar Angler herumstreichen und ihren Anteil am Fischfang einfordern.

Nachdem wir den Hafen auch auf dem Rückweg unbehelligt verlassen konnten, fahren wir zufrieden in unser Hotel zurück, wo wir uns auf unser Buffet freuen – und auf eine sehr kurze Nacht, denn in Hollywood werden die Oscars verliehen. Die erste Stunde der Liveübertragung schaffen wir noch, dann schlafen wir ein...

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