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Touren & Betten > Reiseberichte > USA-Tour (2007) > Tag 7: Fultonville > Niagara Falls

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Selkirk Lighthouse | Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
Leuchtturm mit Vogelkäfig: In Selkirk am Ontario-See gibt´s das noch.

Der siebte Tag unseres Urlaubs ist ein Montag. Das wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn es nicht der 3. September 2007 wäre. Auch da mag es bei uns Europäern noch nicht so recht klingeln, aber in den USA weiß jeder, was am ersten Montag im September ist: Feiertag! Es wird der Labor Day gefeiert, der sich an die Sommerferien anschließt und gewissermaßen den anschließenden Beginn des neuen Schuljahres einläutet. Die Reisesaison ist damit zu Ende, Motelpreise fallen und einige Attraktionen öffnen ab jetzt nur noch zum Wochenende.

Von all diesen Dingen hatten wir bei unserer Reisevorbereitung keine Ahnung. In New York City tauchten aber an diversen Läden plötzlich Papierschilder über abweichende Ladenöffnungszeiten am Labor Day auf und ließen uns ahnen, dass dieses Ereignis eine große Bedeutung für die Amerikaner hat.

Wir sind zeitig aufgebrochen und düsen über die Interstate 90 auf Syracuse zu, das eigentlich für gestern angesetzte Tagesziel Niagara Falls fest im Blick. Uns überkommt eine Vorstellung, wie diese klassische Attraktion am letzten Tag des langen Wochenendes besucht sein könnte - und es gruselt uns. Bei unserem ersten Tankstopp, kombiniert mit einem Auffüllen unserer Schokoriegelvorräte, ändern wir spontan die Fahrtroute: Der große Ontario-See ist nicht weit von hier, und dort gibt es einiges an Leuchttürmen zu sehen.

Wir wechseln auf die Interstate 81 Richtung Kanada bis Mapel View und fahren dort über Landstraßen bis zum Sportboothafen von Selkirk. Hier wartet an der Mündung des Salmon Rivers ein wirklich sehr alter Leuchtturm darauf, fotografiert zu werden: Der Steinturm mit einer historischen "Vogelkäfig"-Laterne wurde bereits 1838 gebaut und gilt auch weltweit trotz seiner geringen Größe als ein hervorragend erhaltener Turm dieser sehr frühen Bauperiode - es soll nur noch vier Laternen mit dieser Bauweise heute geben, und die von Selkirk sei die besterhaltenste. Da das Feuer offiziell bereits 1858 wieder gelöscht wurde, überstand der Turm die sonst üblichen Modernisierungen im Laufe der Jahrzehnte und erhielt auch nie eine Fresnellinse. Das eindrucksvolle Türmchen lässt sich übrigens auch als Übernachtungsquartier mieten: Bis zu 10 Leute finden in dem Leuchtturm Platz.

Was uns zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr gefällt, ist das Wetter. Sind wir morgens noch im strahlenden Sonnenschein, wie wir ihn seit Tagen erleben, aufgebrochen, stehen wir jetzt unter einer dicken Wolkendecke. Im Bereich des Sees scheint die aber aufgelockerter zu sein, und im Laufe des Tages sehen wir noch mehrmals die Sonne wieder.

Oswego West Pier Lighthouse | Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
USA - Ein kriegsmüdes Land? Ständige Army-Werbespots im TV und unkritische Aufarbeitung historischer Ereignisse lassen das manchmal bezweifeln....

Weiter geht´s auf der Route 104 Richtung Westen: In Oswego machen wir am historischen Fort Ontario Halt, wo es im Mai 1814 zu einem schauerlichen Gemetzel zwischen der britischen Krone und amerikanischen Unabhängigkeitskämpfern kam. Die Kampfverläufe werden auf Schautafeln liebevoll erläutert. Kritische Anmerkungen zu dem tieferen Sinn des Blutbades findet man hier - wie auch anderswo an zahlreichen ähnlichen Schauplätzen - nicht einmal ansatzweise. Während die wenigen Touristen hier andächtig innehalten, genießen wir den schönen Parkplatz, von dem aus wir hervorragend das Oswego West Pierhead-Türmchen aufnehmen können.

Nächste Station entlang des Lake Ontario ist das Städtchen Sodus. Hier müssen wir nicht lange nach dem Leuchtturm suchen, denn der ist bestens ausgeschildert. Ein Traum von Leuchtturm erwartet uns hier: Ein schönes Holzhaus mit Türmchen, dazu ein weiter Park mit großer Rasenfläche, Sitzbänken und Grillplätzen, funktionierende Toiletten und ein geöffnetes Museum in den Wärterräumen. Wir sind begeistert und können gegen einen kleinen Eintritt auch auf die Laterne hinaufsteigen. Vom Leuchtturmgelände aus bietet sich gleichzeitig auch ein wunderschöner Blick auf das nahegelgene Molenfeuer Sodus Outer - obwohl es mit Baujahr 1976 recht modern ist, ist hier ebenfalls ein ästhetisch gelungenes Bauwerk geschaffen worden.

Sodus Point Lighthouse | Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
Könnte einem Bilderbuch entsprungen sein: Leuchtturm Sodus Point.

Wir folgen dem Seaway Trail weiter Richtung Westen. Großartige Ausblicke auf den Ontario-See gibt es leider nicht, aber dennoch sind wir froh, dass wir den Weg nicht auf der Autobahn zurücklegen. Gut voran kommt man auch auf dieser Nebenstraße, die in diesem Abschnitt die Nummer 101 trägt. Kurz vor Rochester müssen wir umdrehen, da wir die Bucht am östlichen Stadtrand nicht queren können. Die Drehbrücke ist momentan außer Betrieb. Wir wechseln auf die 104 und rollen durch die Metropole und queren den Genesee River - anschließend biegen wir Richtung Norden ab, um in den Stadtteil Charlotte zu gelangen. Der liegt direkt an der Flussmündung in den Ontario-See, und deshalb gibt es dort – der geneigte Leser mag es vielleicht bereits ahnen – einen weiteren Leuchtturm. Das Lighthouse Charlotte-Genesee ist eines der ältesten überhaupt an den Großen Seen und stammt aus dem Jahre 1822. Das benachbarte Leuchtturmwärterhaus wurde 1863 ergänzt. Als der Turm gebaut wurde, wurde er unmittelbar an der Küste gebaut. In fast 190 Jahren kann allerdings viel passieren, und so ist unsere Suche entlang der Landzunge erst einmal vergeblich. Wo ist der Turm bloß? Wir drehen eine Runde nach der nächsten, verirren uns in dem Labyrinth eines großen Parkplatz eines Einkaufszentrums und sind frustriert. Der ganze Ort besitzt originelle Straßenschilder, auf denen der Leuchtturm abegbildet ist - er muss also irgendwo stehen. Wir fahren zurück an den Ortsrand zum letzten Hinweisschild, das wir gesehen haben und versuchen es erneut. Wieder landen wir auf dem Parkplatz, den wir schnell verlassen wollen. Als Malte am Stoppschild zum Stehen kommt, geht Maikes Blick in die Ferne - und dort steht der dunkle Steinturm recht verschämt, von ebenso dunklen Bäumen eingerahmt, und weit vom Wasser entfernt. Hier hat sich die Küstenlinie offenbar stark verändert! Die Sonne steht schon tief, Wolken kommen auf und werfen nur noch kurz einige Sonnenstrahlen auf das Bauwerk. Der mustergültig gepflegte Turm kann auch besichtigt werden, doch die Besuchszeit ist schon vorbei. Wir machen unsere Fotos und uns selbst anschließend auf den weiteren Weg - immer noch sind die Niagarafälle weit weg.

Nächster Leuchtturm ist der Braddock Point. Normalerweise planen wir unsere Leuchtturmtouren sehr sorgfältig, doch hier müssen wir wegen der Feiertagsproblematik und unserer geänderten Tourpläne völlig improvisieren. Mehr als den Leuchtturmnamen haben wir nicht. Westlich von Rochester befindet sich eine Bucht- und Seenplatte, die sich die Braddock Bay nennt. Wir suchen zunächst im kleinen Örtchen Braddock Heights erfolglos, dann auf der gegenüberliegenden Seite am Dörfchen Braddock Point. In beiden Fällen leider Fehlanzeige! Frustriert fahren wir wieder auf den Seaway Trail Richtung Westen, bis es plötzlich in riesengroßen Buchstaben auf einem Highwayabfahrtschild verkündet wird: LIGHTHOUSE RD. Blinker gesetzt, wieder geht es runter von der Straße. Nach wenigen hundert Metern stehen wir in einer kleinen Sieldung mit abgehenden Privatstraßen, vor uns endet die Straße recht abrupt im Ontario-See. Vom Leuchtturm auch hier keine Spur. Wir fahren die Straßen ab, doch bis auf eine Villa mit turmartigem Wohnanbau ist nicht von einem Leuchtturm zu sehen. Enttäuschung macht sich wieder einmal breit: Wir wissen, dass der Leuchtturm hier stehen muss, doch wir sehen ihn nicht. Auch hier kommt uns, als wir gerade im Begriff sind zu fahren, der Zufall zu Hilfe: Bei einer erneuten Vorbeifahrt an der Villa gerät kurz ein Messingschild ins Auge: www.braddockpointlighthouse.com! Und es ist eben doch so: Die »Villa« ist nichts anderes als der Überrest des alten Leuchtturms: Der hohe, schlanke Turmschaft musste nämlich schon in den 1950er-Jahren abgetragen werden, da er instabil wurde. Nur der Stumpf steht heute noch, auf dem eine Art Laterne nachgebaut wurde. Die gesamte Immobilie steht zum Verkauf – wer 1,5 Mio Dollar zur Verfügung hat, kann hier gerne zuschlagen. Bliebe noch nachzutragen, dass das Betreten des Geländes verboten ist und (angeblich) ein Wachdiensat dies kontrolliert. Wir geben uns daher mit wahrlich miesen Bildern erst einmal zufrieden und fahren weiter.

Thirty Mile Point Lighthouse | Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
Letztes Sonnenlicht auf dem Leuchtturm Thirty Mile Point.

Es ist um 7 Uhr abends, als wir den Golden Hill State Park mit Campingplatz erreichen. Auch dieser wirkt nun bereits arg verwaist - überhaupt ebbt der Straßenverkehr in Seenähe im Laufe des Tages stark ab. Die Amerikaner fahren wieder nach Hause, die Ferien sind um. Wir rollen über den Campingplatz, dessen große Attraktion der wunderschöne Leuchtturm Thirty Mile Point darstellt. Die Sonne steht nur noch kurz über dem Horizont, es bleiben nur noch wenige Minuten für Fotos. Die sind rasch im Kasten und wir erleben einen schönen Sonnenuntergang.

Noch immer sind es gut 50 Meilen bis Niagara Falls. Über die Highways 269 und 31 versuchen wir auf dem Weg, ein Motel zu suchen - vergeblich. Es ist tiefe Nacht, als wir Niagara Falls erreichen, doch auch hier keine Spur eines Übernachtungsquartiers. Auf der autobahnartig ausgebauten Interstate 190 durchfahren wir die Stadt, nehmen die Ausfahrt mit den hellsten Lichtern – die Rechnung geht in den USA fast immer auf. Auch heute. Im Motel »Moonlite« sind wir fast die einzigen Gäste. Der Inhaber überschlägt sich bei der Anpreisung der Zimmer: »It´s not just a nice room... it´s a very nice room!«.
Ist es auch. Wir genehmigen uns nebenan beim Goldenen M ein Big Mac-Menu und fallen todmüde in die Falle.

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