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Touren & Betten > Reiseberichte > Südengland > Tag 2: Littlehampton > Hurst Point > Margate

Tag 1 | 2 | 3

Aufgezeichnet von Jürgen

Erstaunlich gut bin ich heute Morgen aus dem Bett gekommen, die zwei Guinness vom Vorabend haben gewaltig reingehauen, was kein Wunder war, denn immerhin waren wir seit Freitag Morgen bis Samstag abend fast 36 Stunden auf Achse und haben ca. drei Stunden geschlafen. Nun genehmigen wir uns erst einmal ein ordentliches Full English Breakfast.

Vollgefuttert bis zum Anschlag (und wieder freut sich Maltes Cholesterinspiegel), kugeln wir eine halbe Stunde später zum Auto um zu neuen Schandtaten aufzubrechen. Malte ist noch etwas neben der Spur und so fahre ich uns zielsicher mit einigen riskanten Wendemanövern in arg engen Roundabouts nach Portsmouth. Ewig lange dauert es, bis wir die Stadt durchquert haben und endlich am Wasser sind. Die Fahrt dorthin gewährt schon etwas merkwürdige Eindrücke von der Autobahn aus: Ein Schiffsfriedhof mit unzähligen Wracks lässt sich vom Auto aus ausmachen, die offenbar gerade verschrottet werden. Umgekippte U-Boote und Kriegsschiffe hinterlassen einen unwirklichen Eindruck. Aber kein Wunder, dies ist einer der Hauptstützpunkte der englischen Marine, und die Gegend lebt von vielen Schiffswerften und den Flottenstützpunkten.

Das über 180 Jahre alte Hafenfeuer von Portsmouth befindet sich im South Sea Castle, einer alten Festungsanlage. Wieder genießt Jürgen die Szenerie mit dem emsigen Treiben im Hafen und auf dem Solent.

Auch hier erwartet uns bei kräftigem Wind zuerst ein Rummelplatz, dann ein Flohmarkt und schließlich der schmucke South Sea Castle-Leuchtturm. Schwer bepackt, zwei Rucksäcke und zwei Stative machen bestimmt 15 kg aus, begeben wir uns auf den Weg vom Parkplatz zum Leuchtturm, der sich in einem alten Steinfort, eine ehemalige Verteidigungsanlage, befindet. Im Hintergrund beobachten wir die Fähren und Schnellboote, die zwischen dem Festland und der Isle of Wight verkehren. Und gleich noch ein dramatischer Höhepunkt ist zu erkennen, weit draußen vor der Küste befinden sich weitere Verteidigungsanlagen aus dem 19. Jahrhundert (die Forts sind von ca. 1850 und sollen nie in einem Krieg eingesetzt worden sein), auf denen mittlerweile Leuchtfeuer installiert sind. Spitsand Fort Light heißt er und befindet sich ca. 1 km vor der Küste. Mit meinem 400 mm Objektiv komme ich gefährlich nahe an den Leuchtturm heran.

Ein leuchtender Juwel: Leuchtturm Hurst Point aus dem Jahre 1868 ist nach wie vor aktiv.

Aber auch hier hält es uns nicht zu lange, denn auch heute haben wir noch so einiges vor uns. Weiter geht die Fahrt über die M 27 in Richtung Süden. Wir freuen uns bereits auf einen kleinen Höhepunkt unserer Reise, Hurst Point Lighthouse. Malte ist ja der Meinung, daß es sich hierbei jedenfalls nach der Karte um ein Molenfeuer handelt... wenn er wüsste! Durch eine wunderschöne malerische Landschaft und wirklich einigen schmucken kleinen Dörfern wie z. B. Lymington oder Milford-on-Sea nähern wir uns Keyhaven, ebenfalls vor der Isle of Wight gelegen.

Es dauert wieder einmal, bis wir den richtigen Weg zum Leuchtturm gefunden haben. Schließlich folgen wir unserem Instinkt und landen an der Küste. Von hieraus ist es bei schon fast stürmischem Wetter nur noch ein Katzensprung auf dem Wanderweg hinter dem künstlich angelegten Kieselsteindeich. Nach ca. einer Dreiviertelstunde haben wir es endlich geschafft. Welch ein Ausblick: ein knallig blauer Himmel, türkis blaues Wasser, leuchtend grüne Wiesen und ein strahlend weißer Leuchtturm. Wie herrlich kann das Leben sein. Noch viel besser ist, dass sich neben dem Leuchtturm ein Castle befindet, über welchen sich zwei Türme erheben, die glatt nach weiteren (ehemaligen) Leuchttürmen aussehen. So ist es denn auch, bei den beiden handelt es sich um ehemalige Unterfeuer.

Nachdem wir das Castle und seine Leuchttürme besichtigt haben, planen wir bei einer Tasse Coffee and some Scones den restlichen Tag, denn dieser Besuch hat uns glatte drei Stunden gekostet und somit ist unser Plan für den Rest des Tages außer Kraft gesetzt. Aus Zeitgründen müssen wir uns auf den Rückweg machen und so geht es im Eiltempo über 250 km gen London zurück nach Margate und damit an die Ostküste. Wir sind vom vielen Autofahren mittlerweile so durchgeknallt, dass wir uns bis in die Puppen bei den Leuchttürmen herum treiben, so z. B. der sich ganz in der Nähe befindliche North Foreland. Eine atemberaubende Küstenlandschaft mit einem tiefblauen Himmel vervollständigt unseren tollen Eindruck von dieser Gegend.

Leuchtturm North Foreland. Rechte: M. Werning | leuchttuerme.net
Geschichtsträchtig: Der Leuchtturm North Foreland.

Gegen 20.00 Uhr ist es endlich soweit und wir quartieren uns in einem sagenhaften Bed & Breakfast-Inn ein, dem The Malvern Hotel & Blues Grill. Offenbar standen hier die Blues Brothers Pate, denn vor der Tür parkt bereits ein amerikanischer Streifenwagen und zwei lebensechte Plastikfiguren mit Hut, Anzug und Sonnenbrille zieren den Eingangsbereich. Beim Einchecken in die Zimmer werden wir wie Kriminelle behandelt. Papas Sprössling kontrolliert sogar die Nummer unserer Personalausweise, hat aber keine Hemmungen, uns die Zimmer für 60 Pfund, statt der ausgemachten 50 Pfund zu vermieten. Schnell haben wir den Kleinen davon überzeugt, dass das soooooo aber nicht geht! Die Blues Brothers lassen grüßen.

Ein Spaziergang nach dem Essen zum Hafen sollte uns einen Leuchtturm bei Nacht bescheren. So war’s dann auch; nur dass der Leuchtturm in Margate nicht mehr in Betrieb ist. Naja, nachdem wir den halben Tag im Auto verbracht haben, kommt so ein Spaziergang noch ganz gut. Margates Küstenlandschaft ist für deutsche Gewohnheiten etwas gewöhnungsbedürftig, denn vom Strand aus kommen wir nur mit Schwierigkeiten wieder auf das höhergelegene Niveau des Ortes hinauf. Endlich finden wir in der Dunkelheit eine Treppe. Dafür haben wir Schwierigkeiten, die Haustür unserer Herberge mit den eigens dafür ausgehändigten Schlüsseln zu öffnen. Nachdem erst eine halbe Stunde mit erfolglosem Klingeln und Rufen vergehen mussten, bekamen wir per Telefon dann von der Dame des Hauses neue Instruktionen, wie man einen Schlüssel im Schloss rumdreht. Es klappt nach wie vor nicht. Schließlich erscheint erneut der kleine Bengel, lässt uns rein und überzeugt sich selbst davon, dass die Schlüssel nicht funktionieren. Glaubt man uns eigentlich gar nichts?

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