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D | Blankenese (Oberfeuer)
53° 34' N | 009° 48' E B 1568.71

Im Hamburger Stadtteil Blankenese stehen zwei moderne Richtfeuer, die gemeinsam die Richtfeuerlinie Blankenese bilden. Obwohl die markanten Bauwerke heute zu einer Art Wahrzeichen des Stadtteils geworden sind, wurde ihre Planung Anfang der 1980er-Jahre von großen Protesten seitens der Bevölkerung begleitet, die sogar vor Gericht ausgetragen wurden. Als „Leuchtspargel“ auf der „Raketenabschussrampe“, zitiert Erik Delfs in seinem Buch „Feuer an deutschen Küsten“ die Hamburger Tageszeitungen aus jener Zeit und den „Leuchtturm als Pfahl im Fleisch der Blankeneser“.

Letztlich vergeblich: Mit dreijähriger Verzögerung nahmen die beiden Leuchttürme am 29. November 1984 den Betrieb auf. Die beiden Türme gehören zu den jüngsten Richtfeuertürmen entlang der Elbe, nach ihnen entstanden nur noch die Richtfeuer Pagensand Nord (1992), Altenwerder (1999) und Ellerholz (2001).

Beide Türme haben in etwa gleiche Abmessungen (OF: 40 m, UF: 42 m) und wurden aus Beton gegossen. Das Oberfeuer erhielt seinen Standort im Geestboden des Kanonenbergs im Baurspark, wo der Turmschaft im Dezember 1983 im Gleitschalverfahren innerhalb von 14 Tagen entstand. Das Toppzeichen, der stählerne Turmkopf mit einem „Zyklopenauge“, wurde mit einem mobilen Kran auf den Schaft aufgesetzt. Durch seinen erhöhten Standort erhält das Oberfeuer die beeindruckende Feuerhöhe von 84 m.

Das 1.340 m Luftlinie entfernte Unterfeuer wurde hingegen am Elbufer errichtet und sollte auch für die Hamburger Bevölkerung durch eine Aussichtskanzel etwas Besonderes bieten. Diese musste aber aus finanziellen Gründen wieder gestrichen wurden, dafür wurden Aussichtsplattformen auf drei verschiedenen Ebenen am Turmfuß eingerichtet. Die Gründung des Bauwerks erfolgte als Senkbrunnen erst im Frühjahr 1984 in zehn Metern Tiefe unter normalem Wasserstand. Der Turmkopf wurde hier mit einem Schwimmkran aufgesetzt. Insgesamt betrugen die Baukosten für die Richtfeuerlinie 4.580.000,00 DM.

Das Licht mit immerhin 13 bzw. 16 sm Tragweite wird durch Signalscheinwerfer erzeugt, deren Licht durch eine Spezialoptik weiter gebündelt wird. Als Lichtquelle dienen Glühbirnen mit 30 W / 12 V. Aufgrund seiner Höhe ist das Oberfeuer auch mit Warnleuchten für den Flugverkehr versehen. Die Energieversorgung erfolgt über das öffentliche Stromsystem.

Im Gegensatz zu den weiter westlich stehenden Richtfeuern gehört die Blankeneser Richtfeueranlage bereits in den Zuständigkeitsbereich der Hamburger Port Authority, deren Lotsen sich anfänglich ebenfalls gegen den Bau der Türme gewehrt hatten. Die Fernsteuerung und Überwachung der Türme wird von der nautischen Zentrale am Seemannshöft übernommen.

Obwohl die Blankeneser Türme heute ihren festen Platz im Herzen der Hamburger haben, werden sie möglicherweise nicht mehr lange am Blankeneser Ufer zu sehen sein: Geplant ist derzeit eine weitere Fahrrinnenverlagerung im Bereich zwischen Hamburg und Wedel, um Schiffsbegegnungen besser abzusichern. Die elbaufwärts fahrenden Schiffe sollen dabei rund 100 m weiter südlich fahren. Entsprechende Vorbereitungen zur Vertiefung des Fahrwassers laufen bereits, die Breite des Fahrwassers soll dabei von 250 m auf fast 400 m verbreitert werden. Die bisherigen Richtfeuer werden nach dem Elbausbau nicht mehr verwendet werden können, da die Richtfeuerlinie sich weiter nach Osten verschiebt. Dies würde aber den baldigen Abriss der "Leuchtspargel" ebenso bedeuten wie den Neubau von zwei weiteren Türmen, von denen das Oberfeuer seinen Standort nahe des Hirschparks haben soll. Schon in der Planungsphase zeigte sich, dass es Schwierigkeiten mit der genauen Position des Oberfeuers geben wird, weshalb der Turm deutlich tiefer als das heutige Oberfeuer stehen wird – um dennoch die gleiche Feuerhöhe zu erreichen, wird mit geplanten 70 Metern Höhe hier in den kommenden Jahren der höchste Leuchtturm Deutschlands entstehen.

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