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Deutschland > Elbe (km 750-685) > Großer Vogelsand 

D | Großer Vogelsand
54° 00' N | 008° 29' E B 1340

Der Große Vogelsand, ein Mahlsand in der Elbmündung zwischen der Süder- und der Norderelbe, hat bereits zahlreiche Opfer gefordert – nicht nur Schiffe, sondern eben auch deren Besatzungen. Zahlreiche Schiffswracks liegen seit Jahrhunderten in den Sänden begraben. Im Internet ist bereits viel über die tragischen Geschichten zu lesen, so die bekannten Wracks Ondo und Fides, die 1961/62 innerhalb weniger Tage in schweren Stürmen auf den Sand liefen und trotz dramatischer Rettungsaktionen aufgegeben werden mussten. Unweit dieser Stelle sank 1936 auch das Feuerschiff Bürgermeister Os´wald I in einer Sturmflut, nachzulesen in einem traurigen Bericht auf Iris´ Feuerschiffseite.de. Der Große Vogelsand gilt aus diesem Grund als eines der gefährlichsten Seegebiete der Welt.

Schon frühzeitig entwickelte sich in der Außenelbe entlang der Sände auch das Seezeichenwesen, hauptsächlich auf Grund der Initiative Hamburgs. Verschiedene Lotsen boten bereits im 18. Jahrhundert auf eigenen Schiffen ihre Dienste an. Schon 1774 wurde nachts ein Lichtsignal gezeigt, 1814 ging der Neuwerker Leuchtturm in Betrieb und 1816 wurde erstmalig eine zu einem »Signalschiff« umgebaute hölzerne Kuff als Feuerschiff Seestern an einer festen Position festgemacht – etwa 13 Seemeilen südöstlich von Helgoland in etwa dort, wo sich bis 1999 die Feuerschiffstation Elbe (bis 1988: Elbe 1) befand.

Nach dem Bau der Leuchttürme Alte Weser (1964) und Tegeler Plate (1965) in der Außenweser schien sich das neue Verfahren, an Land fertig erstellte Turmschäfte in den Meeresboden einzuspülen, zu bewähren. Für die gefährliche Elbemündung wurde daraufhin ebenfalls eine Möglichkeit gesucht, insbesondere das inzwischen über 70 Jahre alte Feuerschiff Bürgermeister Bartels auf Position Elbe 2 abzulösen.

Nach umfangreichen Vorarbeiten wurde 1973 der Turmschaft fast 30 Meter in den Boden auf der Südseite der Sandbank eingespült. Das ebenfalls an Land vorbereitete Oberteil wurde später mit einem Schwimmkran aufgesetzt und anschließend die Verkabelung sowie die technische Einrichtung vervollständigt. Dennoch ging der insgesamt 82 m hohe Turm, von dem lediglich 45 Meter aus dem Wasser ragen, erst am 23. Mai 1975 in Betrieb. Kurz zuvor, am 10. Dezember 1974, wurde das Feuerschiff Elbe 2 bei einer Kollision so stark beschädigt, dass eine Reparatur angesichts des benachbarten und nahezu fertiggestellten Leuchtturms nicht mehr in Frage zu kommen schien.

Der Leuchtturm Großer Vogelsand geriet mit Baukosten von 15.000.000 DM zu Deutschlands teuerstem Leuchtturm. Er wurde nicht zuletzt als Motiv auf einer jahrelang produzierten Briefmarke deutschlandweit bestens bekannt. Seine Funktion war in erster Linie die eines Leitfeuers, außerdem als Orientierungsfeuer mit einem Warnsektor für den Vogelsand. Neben einer Spiegel-Drehoptik besaß der Turm auch eine Gürteloptik, außerdem Seefunkfeuer, eine Radarantwortbake und eine Luftnebelschallanlage. Ein eigenes Maschinendeck beherbergte die drei Lkw-Dieselaggregate, die für den notwendigen Strom sorgten. Entsprechend regelmäßig musste der ansonsten ferngesteuerte Turm von den WSA-Mitarbeitern angefahren werden, um Betriebsstoffe zu ergänzen. Auf dem ausladenden dreigeschossigen Oberteil des Leuchtturms befindet sich weiterhin ein eigener Hubschrauberlandeplatz, außerdem verschiedene Notunterkünfte für das Wartungspersonal sowie für Schiffbrüchige.

Im Februar 1999 (eine andere Quelle nennt den 14. Oktober 1998) wurde der Leuchtturm nach nur 24 Betriebsjahren wieder abgeschaltet, nachdem zahlreiche Radarbaken in der Elbemündung aufgestellt wurden. Zwischenzeitlich wird der Turm nur noch als Pegel verwendet, die Daten finden sich im Internet. Abgesehen von dieser Nutzung wurde das teure Bauwerk 2003 an das Atoll-Hotel (Helgoland) verpachtet, dass den Turm mit »Eventcharakter« für die Öffentlichkeit zugänglich machen – allerdings zu sehr exklusiven Preisen, die jeweils den Helikopterflug beinhalteten. Ab 2006 wurde der Turm durch das Hotel Überfluss (Bremen) ähnlich erfolglos bewirtschaftet.

Jährliche Betriebskosten von über 125.000 Euro führten im Sommer 2007 zu der Entscheidung des WSA Cuxhaven, den Turm im Jahre 2008 abzureißen. Nur der Turmschaft soll dabei in gekürztem Zustand erhalten bleiben und einen neuen Aufsatz erhalten. Nach längerer Planungsphase und dem Neubau des Kopfs sollten die Arbeiten an dem Leuchtturm im Herbst 2008 stattfinden. Der schlechten Verfügbarkeit des dafür notwendigen Schwimmkrans und dem unsteten Wetter war es geschuldet, dass der Turmkopf tatsächlich erst am 16. Dezember vom Schaft abgenommen werden konnte. Er soll in Bremerhaven verschrottet werden.

Für uns als »Leuchtturmsammler« blieb der Große Vogelsand lange ein schwierig erreichbares Ziel, da auch Touren nach Neuwerk nicht nahe genug an den Turm herankommen. Die Fotos oben entstanden schließlich von der Norderelbe vom Feuerschiff Bürgermeister Os´wald II aus, als wir mit der IGSZ eine Tagungstour nach Helgoland unternahmen.

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