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Deutschland > Lübecker und Mecklenburger Bucht, Rostock > Gollwitz (Nord)

D | Gollwitz (Nord)
54° 01' N | 011° 28' E C 1398.5

Die Ansteuerung Wismars von der offenen Ostsee aus gilt als ausgesprochen schwierig. Von Norden kommend, müssen Schiffe zunächst in einer engen Fahrrinne die gesamte Insel Poel umrunden, um sich dann allmählich wirklich dem Hafen zu nähern. Bis in das Jahr 1929 soll mangels geeigneter Seezeichen die Ansteuerung besonders gefährlich gewesen sein, bei Nacht sogar nahezu unmöglich. Und da die Passage eng und lang war, gab es täglich lediglich ein kurzes Zeitfenster, in dem Schiffe den Wismarer Hafen erreichen oder verlassen konnten.

Ein unhaltbarer Zustand, befand das Staatliche Wasserstraßenamt zu Rostock. Auf der Insel Poel, gut 1,5 km nordwestlich der kleinen Ortschaft Gollwitz (früher: Golwitz), wurde daraufhin eine graue Leuchtbake in Betrieb genommen. Auf einem Stahlgerüst wurde eine rote Laterne installiert, die ein Leit- und Warnfeuer in Richtung der in nördlicher Richtung gelegenen Wismarer Ansteuerungstonne ausstrahlte. In einem nahegelegenen Betriebsgebäude wurde ein Kessel für das Flüssiggas unterhalten, da das elektrische Leitungsnetz für dieses Feuer noch zu weit entfernt war.

In der noch jungen DDR wollte man die Situation verbessern, indem der Gitterturm durch einen massiven Leuchtturm ersetzt wurde. 1953 entstand in unmittelbarer Nähe der heute hier noch existierende Bau, bei dem ein einfaches Maschinenhaus einen zur See vorgelagerten roten Turmbau erhielt. Als Laterne diente erneut der bereits auf der Gitterbake eingesetzte Aufsatz. Der neue Leuchtturm wurde nun bereits mit elektrischem Licht betrieben. An seinen Aufgaben änderte sich zunächst nichts.

1956 ersetzte man das Leitfeuer durch eine Richtfeuerlinie, bei der der Leuchtturm als Unterfeuer diente. Dies hatte den Vorteil, dass nun auch größere Schiffe Wismar ansteuern konnten. Hierzu wurde oberhalb des Laternendaches noch ein weiteres Stahlgerüst aufgesetzt, an dem eine simple Gürtellinse als Unterfeuer diente. Außerdem wurde ein großes weißes aufrecht stehendes Lattendreieck als Toppzeichen installiert, das landeinwärts in etwa 800 m Entfernung ein entsprechendes Oberfeuer-Gegenstück besaß. Die bisherige Laterne wurde seeseitig verschlossen und strahlte nun Richtung Westen ein Leitfeuer aus.

In diesem Zustand existierte der Leuchtturm bis 1996, als größere Investitions- und Reparaturarbeiten anstanden. Hierbei wurde die Befeuerung geändert und die Richtfeuerlinie aufgegeben. Statt dessen wurde erneut ein seeseitiges Leitfeuer installiert und dafür die Laterne wieder Richtung Norden geöffnet. Die Gittermastaufbauten verschwanden auf dem Bauwerk wieder, und ebenso das Leitfeuer Richtung Westen. Dies wurde auf einen im Frühjahr 1996 neu erbauten 21 m hohen Stahlgittermast verlegt, der in wenigen hundert Metern Entfernung errichtert wurde und nun die Bezeichnung »Gollwitz West« trägt. Der westliche Lichtaustritt an der Laterne des alten Turms konnte daraufhin wieder verschlossen und durch eine Tür ersetzt werden. Der Leuchtturm selbst verlor seine rote Farbe und erhielt einen hellgrauen Farbton, der sich vom Weiß des Betriebsgebäudes abhebt.

In diesem Zustand befindet sich der Leuchtturm auch weiterhin. Er ist von der Ortschaft Gollwitz aus leicht zu finden, wenn man am nordwestlichen Ortsausgang einfach dem Hinweis zur »Signalstation« folgt.

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