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D | Binnenrandzel
53° 30' N | 006° 50' E B 0982

Wer mit der Fähre von Emden nach Borkum unterwegs ist, dem könnte gut eine Dreiviertelstunde vor Ankunft des Schiffes an Steuerbord ein rot-weißes kleines Eisengerüst im Wasser auffallen, das bei Ebbe gut sichtbar auf einer Sandbank steht. Bis 1995 besaß dieses Gerüst ein Leuchtfeuer. Es fällt schwer zu glauben, dass dieses Bauwerk eine mittlerweile fast 120 Jahre alte historische Bake aus der ersten Generation der großen Emsbefeuerung 1888-1891 ist.

Der Bau der Leuchtbake geht auf den 16. März 1886 zurück: An diesem und zwei darauffolgenden Tagen fand in Emden »im kleinen Rathhaussaale zu Emden unter Vorsitz des Geheimen Regierungsrathes Schweckendieck die Versammlung zur Beratung der Emsbeleuchtung« statt, die für die Ausstattung der Emsmündung mit Leuchtfeuern einberufen wurde. Bereits drei Jahre zuvor gab es einen größeren Vorstoß und bereits Pläne als Vorschlag, an welcher Stelle Leitfeuer für eine bestmögliche Passage der Außenems aufzustellen seien. In der neuen Versammlung sollten nun Nägel mit Köpfen gemacht werden.

Zu dem Zeitpunkt dieser Sitzung existierte auf Borkum bereits der 1879 gebaute neue Leuchtturm als Seefeuer sowie auf der niederländischen Sandbank Rottum ein weiterer Leuchtturm. Diese Türme waren aber in keiner Weise geeignet, die Schifffahrt zwischen Emden bzw. Papenburg und der hohen See vor den gefährlichen Sandbänken zu schützen.

In der Versammlung wurde neben dem Bau der großen Leitfeuer-Leuchttürme Borkum (elektr. Turm), Campen und Pilsum auch der Bau zweier Leuchtbaken am Binnenrandzel und Außenrandzel beschlossen, die mit Fettgas betrieben und ein Dauerfeuer zeigen sollten (ursprüngliche Planungen sahen stattdessen noch fünf Leuchttonnen vor). Beide Feuer sollten auf der Randzel-Sandbank auf der Ostseite des Fahrwassers erstellt werden: Leuchtturm Außenrandzel noch in der Nähe Borkums, während Binnenrandzel am anderen Ende der Sandbank als Quermarkenfeuer einen notwendigen Kurswechsel befeuern sollte.

Im Mai 1886 wurden in Bremen abschließend noch Kleinigkeiten feiner abgestimmt, bis im Jahre 1887 die Vorlage bei dem Preußischen Parlament seine Zustimmung erhielt. Die Prioritätenliste sah den Bau des »elektrischen Turms« Borkum gemeinsam mit den beiden Randzel-Leuchtbaken als vorrangig zu erstellen. Viele weitere Informationen zu der Emsbefeuerung der Jahre 1888/1889 liefert auch Hinrich Gerresheimers Webseite über den Pilsumer Leuchtturm.

1888 entstanden die zwei nahezu baugleichen Leuchtbaken, die im Wesentlichen aus einem vierbeinigen, sich nach oben verjüngenden Stahlgerüst bestanden, in deren Mitte der Gaskessel angebracht war. Auf der Spitze des Bauwerks befand sich die aus der Serienproduktion entnommene Gürtelleuchte. Die »Emder Zeitung« berichtete am 14. Oktober 1891 folgendermaßen über die Leuchtbaken, nachdem diese bis zum 30. September 1891 im Probebetrieb liefen:

»Für die beiden projectirten Leuchtbojen am Randzel, einer zwischen den Mündungsarmen der Ems liegenden Sandbank, sind Fettgasbaken eingesetzt. Auf einem 4 1/2 m tiefen Fudamente, bestehend aus 4 Pfeilern, die mit Beton verbunden sind, erhebt sich ein etwa 15 m hohes Gerüst aus Schmiedeeisen, welches einen Gaskessel oder eine Boje trägt, die eine Tag und Nacht brennende Flamme speist. Diese Boje hat etwa 10 cbm Inhalt und das Gas ist einem Druck von etwa fünf Atmosphären ausgesetzt. Von Zeit zu Zeit muss eine Füllung des Ballons stattfinden in der Weise, daß auf einem Transportschiffe das Gas in einem Behälter hingeführt und mittels eines Schlauches in den Ballon übergeleitet wird. Die über der Flamme befindliche Laterne hat helle, rothe und schwarze Glasstreifen, die so angeordnet sind, daß dem Schiffer, welcher im richtigen Fahrwasser sich befindet, das ungetrübte Licht erscheint, ein rothes Licht sich aber zeigt, wenn er der Sandbank nahe kommt, und das Licht verschwindet, wenn das Schiff noch weiter vom Kurse abweicht.»

Der Binnenrandzel-Turm wurde bereits als Quermarkenfeuer geplant und gebaut. Schiffe, die von See waren, mussten auf der Höhe von Borkum dem Leitfeuer Campen folgen, bis die Leuchtbake linkerhand mit rotem Sektor erschien. Nach der Vorbeifahrt gerieten die Schiffe in den weißen Sektor des Feuers, der den Kurswechsel anwies – nun musste dem Leitstrahl des Leitfeuers Pilsum gefolgt werden, bis kurz darauf wieder auf einen weiteren Leitstrahl des Leitfeuers Campen gewechselt werden musste. Schon zu Zeiten des Ersten Weltkrieges entspannte sich die Situation für die Schiffsführer aber in diesem Bereich, da das »Emshörn«, eine bislang zu umrundende südöstlich des Randzels liegende Sandbank, sich so verlagerte, dass der Kurswechsel nicht mehr notwendig war. Aus diesem Grunde wurde der Leuchtturm Pilsum schon 1919 wieder gelöscht, und die Leuchtbake Binnenrandzel verlor weitgehend ihre ursprüngliche Funktion.

Das Feuer wurde 1986 auf elektrischen Betrieb umgestellt, wobei für die Energieversorgung eigens ein Windgenerator angebracht wurde. Zuletzt betrug die Nenntragweite zwischen 7 und 4,5 sm. Am 10. November 1995 wurde das Feuer endgültig gelöscht, die nun überflüssige Bake bislang aber noch nicht abgebaut. Sie steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

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