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Deutschland > Ems, Ostfriesland > Norderney 

D | Norderney
53° 43' N | 007° 14' E B 1054

Zu den großen historischen Seezeichen an der deutschen Nordseeküste gehört der Leuchtturm Norderney aus dem Jahre 1874. Die Königlich-Preußische Wasser- und Schiffahrtsverwaltung in Norden hatte 1871 gemeinsam mit dem Bauunternehmen Ernst Schumacher in Leer (Ostfriesland) die Pläne für den großen Turm gezeichnet. Auftraggeber war die Königliche General-Direktion des Wasserbaus, die Schumacher mit der Errichtung des achteckigen und knapp 54 Meter hohen Leuchtturm beauftragte. Ein Bauvorhaben von solcher Größe war damals auf den schwierig zu erreichenden Inseln noch eine hohe logistische Herausforderung. Dieser Turm sollte die Inselkette mit einem wichtigen Leuchtfeuer versehen, denn Feuer bestanden zu diesem Zeitpunkt nur auf Borkum und auf Wangerooge – wobei das Borkumer Feuer zu diesem Zeitpunkt den Anforderungen längst nicht mehr genügte.

Für den Norderneyer Turm fertigte die Pariser Firma Sautter, Lemonnier & Co. die leuchtfeuertechnischen Einrichtungen, die aus einem Drehtisch mit Gewichtsantrieb, dem Petroleumlicht und einer fast drei Tonnen schweren und drei Meter hohen Drehlinsenleuchte bestand und als Reparationsleistung geliefert wurde. Die Optik misst 1,85 m im Durchmesser und besteht aus 1.018 geschliffenen Prismen und 24 Linsen, von denen die jeweils vierte aber abgedunkelt ist. Das Seefeuer erreichte schon zur damaligen Zeit eine herausragende Leuchtkraft. Der Turm wurde etwa in Inselmitte von Norderney positioniert und zeigte erstmalig am 1. Oktober 1874 sein Licht. Das 1849 errichtete Kap auf der Insel hatte damit navigatorisch ausgedient.

Schumacher muss seine Sache wohl sehr gut gemacht haben: Als vier Jahre später auf Borkum ebenfalls ein Leuchtturmneubau notwendig wurde, wurde erneut das Leerer Bauunternehmen beauftragt. Tatsächlich hat der Borkumer Turm einige Anleihen an den Norderneyer.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Lichtquelle auf Petroleumglühlicht und im Jahre 1930 auf elektrischen Betrieb mit einer Glühlampe von 1.000 Watt umgestellt. 1977 wurde die Kennung des Turms abgeändert, im Jahre 1981 wurde das Leuchtfeuer zur Fernüberwachung an die Verkehrszentrale Ems (Knock) angeschlossen. Die Optik wird heute von einem »Käfig« vor Vögeln etc. geschützt.

In den Jahren 2003 bis 2006 wurde der Leuchtturm aufwändig mit einem Investitionsvolumen von 600.000 Euro saniert und dazu eingerüstet und mit Planen verhängt. Leider entstand unser Foto an einem sonnigen und kalten Februartag 2005, als der Turm wenig fotogen mit herabhängenden »Fetzen« verziert wurde. Am 23. März 2004 erhielt der Leuchtturm auch eine neue Lichtquelle in Form einer Halogen-Metalldampflampe mit 400 W Leistung, die wegen der erwarteten Lebensdauer von 10.000 Betriebsstunden geringere Wartungsintervalle ermöglicht. Hierzu musste auch ein neuer automatischer Lampenwechsler angeschafft werden.

In den Sommermonaten ist die Besichtigung des Leuchtturms möglich.

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