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Leuchtturm-Historie > Antike

Antike 500 v. - 500 n.Chr. Ägypter, Griechen und Römer bauen Leuchtfeuer hauptsächlich im Mittelmeerraum.

Fest steht, dass im Mittelmeerraum schon viele Jahrhunderte vor Christi Geburt an der Schwelle zwischen Morgen- und Abendland reger Seehandel stattfand. Die Idee, mit Hilfe eines weithin sichtbaren Lichtes Booten nicht nur den Weg in den heimatlichen Hafen zu weisen, sondern auch als weithin sichtbare Landmarke zur Schiffsnavigation beizutragen, dürfte deshalb schon sehr alt sein. Man schreibt den Griechen zu, die ersten Betreiber von Leuchtfeuern gewesen zu sein. Schon um 800 v. Chr. berichtete Homer von Feuern, und es gibt einige Hnweise auf deren Existenz in der Nordägäis.

Leuchtturm Pharos von Alexandria
Eine Computersimulation des Pharos von Alexandria aus dem Jahre 2006. Quelle: Wikipedia.de.

Der älteste, wirklich bedeutende Leuchtturm dürfte der bekannte Turm von Pharos sein. Er ist aber definitiv nicht der erste Leuchtturm der Welt, wie oft zu lesen ist. Die Ägypter bauten diesen Turm auf einer dem Nildelta bei Alexandria vorgelagerten Insel um 300 v. Chr. Sein Bau soll 17 Jahre gedauert haben. Über sein Aussehen und seine Höhe bestehen heute höchst unterschiedliche Meinungen, da sich viele Quellen stark widersprechen. Ein im 12. Jahrhundert entstandener Reisebericht eines maurischen Fürstensohnes namens Idrisi aus Zeuta äußert sich dahingehend, dass der Turm aus Stein erbaut worden sein soll, dessen einzelne Schichten durch geschmolzenes Blei miteinander verbunden waren.

Ob er von vornherein als Leuchtturm diente und diese Funktion sein vorrangiger Zweck war, ist heute leider unbekannt. Sicher ist nur, dass der Turm im Jahre 1302 bei einem Erdbeben teilweise einstürzte und bis 1349 endgültig zerstört war. Dieser Turm war Namensgeber für künftige Leuchttürme in vielen Sprachen: Die Worte »phare« (fr.), »faro« (span./ital.) und »farol« (portug.) gehen alle auf den ägyptischen Vorläufer zurück, sind heute aber feste Bestandteile der jeweiligen Sprachen für die Vokabel »Leuchtturm«.

Far im Spanischen
Der Pharos hinterließ in weiten Teilen Europas seine Spuren: Im Spanischen ist jeder Leuchtturm ein »Far« oder »Faro« (gesehen auf Mallorca).

Inwiefern es sich bei dem sagenumwobenen »Koloss von Rhodos« dagegen um einen Leuchtturm handelte, ist stark umstritten und gilt als eher unwahrscheinlich. Bei dem »Koloss« soll es sich um eine Bronzestatue des Gottes Helios über der Hafeneinfahrt der griechischen Insel gehandelt haben, wie es die Abbildung rechts darstellt. In seiner Hand soll sich eine »Feuerpfanne« befunden haben, in der ein Leuchtfeuer brannte - wie dies jedoch unterhalten worden sein soll, ist schleierhaft.

Er entstand der Überlieferung nach, nachdem Demetrios Polykletes in den Jahren 304/303 v.Chr. die Belagerung der Hafenstadt aufgab, was die Einwohner als ihren Sieg auslegten. In zwölfjähriger Bauzeit errichteten sie daraufhin die bronzene Helios-Statue, die eine Höhe von ca. 35 m gehabt haben soll. Dabei ist der genaue Standort ebenso ungeklärt wie sein Aussehen. Die »klassische« Skizzierung als spreizbeinig über der Hafeneinfahrt aufgestellte Figur gilt als recht unwahrscheinlich, möglicherweise befand sich der Koloss auch in der Mitte der Stadt. Nach nur 66 Jahren (224 v. Chr.) stürzte die Statue bei einem Erdbeben um. Sie wurde nicht wieder aufgebaut, da einem Orakel zufolge für den Fall des Versuchs ein großes Unheil drohe.

Leuchttürme in der Antike
Gesicherte Leuchtfeuer der Antike (400 v.- 500 n.Chr.). Neben dem ägyptischen Pharos sind die heute noch existierenden Türme von Dover (Dubra) und La Coruña (Julio Briga) bezeichnet.

Ungefähr zu dieser Zeit begann die Herrschaft der Römer im Mittelmeerraum, die sich bald auch auf Westeuropa ausweitete. Die Römer organisierten in den kommenden Jahrhunderten verstärkt den Bau der Seezeichen für ihre Kriegs- und Handelsschiffe, so auch in der Nordsee z.B. nahe des heutigen Katwijks [NL], Boulogne-sur-Mer [F] und Dover [GB]. Zahlreiche Steintürme wurden an markanten Stellen errichtet, auf deren Spitze das Wachpersonal ein offenes Leuchtfeuer unterhielt.

Als Brennmaterial wurde zu dieser Zeit zumeist harziges oder in Pech getränktes Holz verwendet. Details sind über ungefähr 50 große Türme bekannt, doch dürfte die Zahl der tatsächlich durch die Römer gebauten Leuchttürme ungleich höher sein. Einige Standorte sind in der nebenstehenden Karte markiert. Von diesen historischen Bauwerken existieren heute noch vier Exemplare, die in der nachfolgenden Tabelle aufgeführt sind:

Erhaltene Feuerträger der Antike
Name Nation Baujahr Aktiv Bemerkungen
Patara Türkei 65 v. Chr. - ? Bei Ausgrabungen 2003 entdeckt. Turm wurde möglicherweise durch einen Tsunami zerstört.
Frejus Frankreich ca. 0 0 - ?  
Roman Pharos,
Dover
Großbritannien ca. 50 ca. 50 - ?  
Torre de Hercules,
La Coruña
Spanien ca. 100 ca. 100 - heute Längere Unterbrechungen des Leuchtfeuerbetriebes, Turm wurde mehrfach rekonstruiert und verändert

Mit dem Untergang des römischen Reichs kehrte an die Küsten Europas gegen 500 n. Chr. wieder Dunkelheit zurück. Ohne eine übergeordnete Organisation gab es keine Kontrolle und Motivation für die Unterhaltung von Leuchtfeuern. Die Völker entlang der Küsten waren plündernden Seeräubern ausgeliefert und legten wenig Wert darauf, durch Leuchtfeuer entlang der Küste diesen auch noch ihren genauen Standort zu verraten. Die Ära der Leuchtfeuer war damit zunächst einmal wieder beendet.

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