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D | Neuwerk
53° 55' N | 008° 30' E B 1344

Im Jahre 1299 begannen auf einer kleinen, namenlosen Insel in der Nähe der Elbmündung auf Veranlassung der Hansestadt Hamburg die Bauarbeiten an einem massiven Wehrturm. Der Turm wurde ungewöhnlich massiv ausgeführt und besaß meterdicke Mauern. Zwar verkündete der Rat Hamburgs, dass das Bauwerk »allen elbaufwärts nach Hamburg oder von dort elbabwärtssegelnden Schiffen als Erkennungszeichen« zur Warnung vor dem schon damals berüchtigten Scharhörnriff dienen sollte, doch war der vorrangig militärische Charakter der burgähnlichen Anlage offensichtlich: Man wollte einen Außenposten an der Elbmündung besitzen, der an dieser für den Seehandel überaus wichtigen Verkehrsader Hamburgs Interessen wahren sollte. Dementsprechend war auch militärische Besatzung über Jahrhunderte auf der Insel stationiert.

Die Bauarbeiten dauerten bis 1310 an. Das »Neue Werk« gab der Insel daraufhin ihren Namen und wurde anfänglich noch niederdeutsch als »Nova O« oder »Nige O« geschrieben und gesprochen.

Nachdem 1805 der Cuxhavener Leuchtturm erfolgreich gebaut worden war, begannen kurz darauf auch auf dem Neuwerker Wehrturm die Arbeiten, um von dem über 500 Jahre alten Turm ein Leuchtfeuer strahlen zu lassen. Während die Reflektorenspiegel im Cuxhavener Turm noch einst aus England beschafft wurden, versuchte sich an der Ausstattung der Neuwerker Leuchtfeuereinrichtung der Feinmechaniker Johann Georg Repsold (1770-1830), der eine große kupferne Kuppel für den alten Wehrturm entwarf. Die Kontinentalsperre sorgte allerdings für eine mehrjährige Verzögerung des Projektes, das erst 1814 abgeschlossen werden konnte. Am Abend des 20. September 1814 schien erstmalig das von 21 kreisförmig angeordneten Parabolspiegeln gebündelte Licht des Neuwerker Turms.

Bevor der Leuchtturm in Betrieb genommen wurde, gab es auf Neuwerk bereits das Leuchtfeuer einer Kohlenblüse, die in 600 m Entfernung stand. Nachdem der große Leuchtturm nun erfolgreich arbeitete, entstand in unmittelbarer Nähe der Kohlenblüse ein weiterer kleinerer hölzerner Leuchtturm, der eine ganz ähnliche Leuchtfeuereinrichtung mit 15 Parabolspiegeln erhielt. Auf diese Weise entstand eine erste Richtfeuerlinie in der deutschen Bucht, denn die beiden Feuer zeigten den Schiffsführern, wenn man die Feuer von Nordwesten aus kommend in Deckepilung brachte, eine sichere Passage über die Untiefe Vogelsandsteert.

1885 wurde das Licht des kleinen Leuchtturms gelöscht, nachdem sich der Vogelsand zu weit verlagert hatte. 1892 diente er noch kurz als Ersatzfeuer für den großen Turm, dann wurde er 1909 abgerissen.

Der große Neuwerker Leuchtturm war als Quermarkenfeuer hingegen bis 2014 im Betrieb. Im Februar 2013 stellten die Nautiker der in Cuxhaven ansässigen Wasser- und Schifffahrtsverwaltung aber fest, dass der mittlerweile älteste aktive Leuchtturm an der deutschen Küste nautisch nicht mehr erforderlich ist. Das Feuer sollte daher gelöscht werden. Nach längeren Verhandlungen erklärte sich die Hamburg Port Authority (HPA) aber bereit, das Leuchtfeuer zu übernehmen und die im jährlich vierstelligen Bereich liegenden Betriebskosten zu übernehmen. So wird der Turm auch noch den 200. Jahrestag seiner Zündung im aktiven Einsatz zu erleben. Er wird aber 2014 seine bisherige Kennung verlieren: Statt der bislang geltenden Fl (3) WRG 20 sec wird dann ein weißes Festfeuer mit reduzierter Reichweite strahlen.

Seit einigen Jahren besteht die Möglichkeit, im Leuchtturm zu übernachten – weitere Informationen bietet die Seite www.leuchtturmneuwerk.de.

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