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USA | New York (Statue of Liberty)
40° 41' N | 74° 02' W

Die Freiheitsstatue in New York kann mit Fug und Recht als weltberühmt bezeichnet werden. Dass die gewaltige Statue der »Lady Liberty« aber ausgerechnet auf einer Leuchtturm-Homepage auftaucht, dürfte sicher viele Leser verwundern. Natürlich wurde das amerikanische Freiheitssymbol schlechthin nicht als Leuchtturm geplant und gebaut, aber in den ersten Jahren nach ihrem Aufbau auf der kleinen, Manhattan vorgelagerten Insel im New Yorker Hafen diente sie tatsächlich offiziell als nächtliche Navigationshilfe für die Schifffahrt. Also doch ein Leuchtturm!

Am 28. Oktober 1886 wurde die Freiheitsstatue, offiziell »Liberty Enlightening the World« [dt.: »Freiheit erhellt die Welt«], auf ihrem Sockel eingeweiht – zehn Jahre zu spät, denn eigentlich war es geplant, das eiserne Bauwerk bereits 1876 aufzubauen. Die Statue war ein Geschenk Frankreichs an die Vereinigten Staaten von Amerika anlässlich des hundertjährigen Jahrestages der Unterzeichnung der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, der bereits 1876 stattfand. Die zerbrochenen Ketten, auf die das Sinnbild tritt, symbolisieren dabei die Sklaverei.

Noch 1886 übergab Präsident Grover Cleveland die Statue zur Unterhaltung einer Leuchtfeuereinrichtung dem amerikanischen Lighthouse Board. Ob schon der Entwurf des französischen Designers Frederic Bartholdi eine Beleuchtung vorsah, ist hingegen unklar. Es gab jedoch schon bei dem Aufbau der Statue entsprechende Vorschläge, die Statue als Ganzes nachts zu illuminieren und anzustrahlen – zum damaligen Zeitpunkt, als elektrisches Licht noch etwas ganz Neues war, war das absolutes Neuland.

Blick aus der Krone. Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
Der ernüchternde Blick für den Touristen, der bis in den Kopf der Statue kletterte: Aus den milchigen Fenstern war nicht viel zu sehen. Rechts das untere Ende der Fackel.

Die Statue wurde mit einem großen Feuerwerk in Betrieb genommen, doch danach blieb es erst einmal dunkel: Niemand hatte große Erfahrung mit Elektrizität, es hagelte Kurzschlüsse und Fehlschläge. Ein Ring aus Scheinwerfern wurde in die Fackel der Statue eingebaut, doch als endlich das Licht schien, war das Ergebnis enttäuschend: Die Lichter, die die Statue majestätisch beleuchten sollten, waren in einem so unglücklichen Winkel angebracht, dass der Kopf und die Schultern im Schatten blieben.

Schließlich nahm sich in einem »patriotischen Akt« eine junge amerikanische Elektrofabrik des Problems an und stiftete einen Generator mitsamt einer neuen Leuchtausrüstung – und Betreuung des Lichts für eine Woche. Nach dieser Woche wurde es wieder dunkel, und nach weiteren Arbeiten im Hintergrund konnte die Statue endgültig am 22. November 1886 als offizieller Leuchtturm für die Schifffahrt in Betrieb genommen werden. Ab Weihnachten 1886 wurde ein gewisser Albert E. Littlefield als Leuchtturmwärter benannt, der eine besondere Elektrikerausbildung machte. Die Bogenlampen der Fackel konnten bis zu 24 Meilen von See aus gesehen werden.

Das amerikanische Lighthouse Board hingegen war mit der Freiheitsstatue gar nicht glücklich. Es wurde verpflichtet, die Unterhaltung des Feuers zu übernehmen und aus seinem Budget zu bezahlen, aber eine echte Notwendigkeit für das Feuer bestand aus seiner Sicht gar nicht. Im Jahre 1889 wurde die Statue nicht einmal als Hafenlicht genannt. Als das War Departement, das Teile der Insel unterhielt, im Herbst 1901 offiziell anfragte, ob es die Statue vom Lighthouse Board übernehmen dürfe, trennte man sich gerne von dem Licht. Damit endete am 1. März 1902 offiziell die »Karriere« der Statue als Seezeichen.

1924 wurde die Freiheitsstatue ein National Monument und 1932 von der Nationalparkverwaltung übernommen, die die Statue als Touristenattraktion weiter ausbaute. Unsere Bilder oben entstanden im Juli 1993 bei einem Besuch der Statue. Zum damaligen Zeitpunkt konnte man noch in der Eisenkonstruktion bis in den Strahlenkranz steigen (der die sieben Kontinente symbolisiert) und aus winzigen milchigen Fenstern auf die Fackel und den New Yorker Hafen schauen. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist das vorbei – erst seit 2004 darf Liberty Island wieder von Touristen besucht werden, in die Statue darf man aber nach wie vor nicht hinaufsteigen.

Liberty Island mit der Statue of Liberty. Rechte: M. Werning / leuchttuerme.net
Die Freiheitsstatue auf Liberty Island im New Yorker Hafen. Die Aufnahme entstand im Juli 1993 vom World Trade Center aus.
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