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D | Hörnum Odde (Unterfeuer)
54° 45' N | 008° 17' E B 1732

Ungefähr 800 m südlich des Leuchtturms Hörnum befand sich bis November 2013 noch ein weiteres Leuchtfeuer, das unter Leuchtturm-Fans weit weniger bekannt ist. Zwischen 1907 und 1995 besaß er nämlich auch noch die Funktion eines Oberfeuers für eine Richtfeuerlinie, die der Schifffahrt einen Weg um die Südspitze Sylts durch das Vortrapptief zeigen sollte. Dafür wurde ebenfalls 1907 ein Unterfeuer in den südlichen Dünen gezündet, genannt Hörnum Odde.

Die Schifffahrt zwischen der Südspitze Sylts und der Nachbarinsel Amrum war ursprünglich nicht sehr stark. Ab 1901 wurde Hörnum jedoch nach dem Bau einer Landungsbrücke regelmäßig von den Lloyd-Dampfern angefahren, so dass entsprechend Seezeichen aufgestellt werden mussten. Der Hafen von Hörnum wird zwar auch heute noch für den Fischfang oder Ausflugsfahrten frequentiert, doch ist die Richtfeuerlinie schon seit einigen Jahren nicht mehr notwendig. 1995 wurde das Unterfeuer gelöscht.

Der in der Hörnumer Odde stehende Turm stammte aus dem Jahre 1979/80 und wurde auf eine hohe Düne aufgebaut. Er bestand aus einem 10,8 m hohen Stahlrohr mit aufgesetzter Laterne und Galerie. Er erhielt eine Siemens-Signalleuchte mit Vollinse und wurde durch das örtliche Stromnnetz betrieben. Für Ausfälle besaß der Turm jedoch auch ein eigenes Notfallaggregat. Nach seiner Betriebseinstellung blieb der Turm einige Jahre funktionslos und sollte schon abgerissen werden. Mitte April 2003, also nur zwei Monate nach unserer Aufnahme oben, wurde er zu einer kleinen Radarstation ausgebaut und blieb daher auch weiterhin erhalten. Die Radarantenne wurde mit Hilfe eines Hubschraubers aufgesetzt und erfolgte im Auftrag des GKSS Forschungszentrums Geesthacht, das auch das Institut für Küstenforschung beherbergt. Die Radarmessungen hier diente daher nicht nautischen Zwecken, sondern sollte Wellenhöhen, Wellenspektren und deren Laufrichtungen dokumentieren.

Nach starkem Sandverlust nach den Herbststürmen 2013 wurde der Turm abgebaut. Er soll auf Amrum eingelagert und ggf. später wieder an einem anderen Ort aufgebaut werden.

Der Turm besaß bereits zwei Vorgänger: Das erste Unterfeuer war eine große Leuchte, die auf eine 6 m hohe, vierbeinige Plattform gestellt wurde. Das Stahl gestellt versandete aber zunehmend, so dass das Unterfeuer drohte, regelrecht von den Dünen überrollt zu werden. Um 1939 musste das Feuer daher erneuert werden, wobei man in unmittelbarer Nachbarschaft gleich einen Neubau durchsetzte: Ein 7 m hoher Betonturm wurde darauf gegossen — der Form nach am besten als eine große »Tonne« zu beschreiben —, die im oberen Bereich ein großes Fenster für das Feuer sowie ein Spitzdach erhielt. Im Laufe der folgenden vierzig Jahre fand sich der Turm nach einigen Sturmfluten ganz am Westrand der Insel wieder und stürzte schließlich im März 1979 die Abbruchkante auf den Strand hinab – mit ihm das mittlerweile wieder von den Dünen freigegebene Gestell des ersten Unterfeuers. Die Optik konnte man jedoch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Trümmer wurden der Natur überlassen und sind heute längst verschwunden.

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