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D | List (Ost)
55° 03' N | 008° 27' E B 1748

Der Östliche der beiden bekannten Lister Leuchttürme ganz im Norden der Insel Sylt steht rund 2.700 m bzw. 1,5 sm östlich vom Feuer List West. Dieser Turm machte in den vergangenen Jahren recht traurige Schlagzeilen aufgrund der Tatsache, dass sich die Abbruchkante der Dünen in den vergangenen Jahrzehnten so auf den Leuchtturm zubewegte, dass dieser in den nächsten Jahren ins Meer abzustürzen drohte. Nur noch 17 Meter trennten den Turm von dem Sturz in die See. Bei seinem Bau waren es noch deutlich über 100 Meter. Entsprechende Hinweisschilder des WSA Tönning weisen den Wanderer mittlerweile auf die Gefahr hin und fordern ihn auf, die Leuchtfeuerdüne nicht an der Abbruchkante zu beschädigen. Man richtete sich bereits gedanklich darauf ein, dass der Turm für teures Geld demnächst versetzt werden musste. Problematisch ist das in Zeiten knapper Kassen, denn gerade die Notwendigkeit von Leuchtfeuern wird im Zeitalter von GPS und anderer Ortungssysteme immer kontroverser diskutiert.

Doch mittlerweile hat es sich die Natur anders überlegt: In den vergangenen Monaten sammelte sich wieder genügend Sand an dieser Stelle an, so dass die Absturzgefahr nun plötzlich abgewendet zu sein scheint. Nun heißt es abwarten: Kann Entwarnung für die Gefahr für den Turm gegeben werden?

Auch dieser Leuchtturm wurde am 1. Januar 1858, wie sein weiter westlich stehender Kollege, in Betrieb genommen. Erbaut wurde er schon 1856/57 noch unter dänischer Regierung, nachdem das dänische Marineministerium das Dünengrundstück erwarb – List gelangte erst 1864 im Tausch gegen andere Ländereien nach Preußen. Über das Baujahr sind sich die verfügbaren Quellen keineswegs einig, es ist auch öfter das Jahr 1852 zu lesen. Dann wären die beiden Lister Türme auch gleichzeitig die ältesten Leuchttürme auf Sylt.

Baulich sind die Türme weitgehend identisch, jedoch ist das Ost-Feuer zwei Meter höher. Zur eindeutigen Identifizierung besitzt dieser Turm eine rote Bauchbinde. Wie das Feuer List West, besitzt auch er einen Linsenapparat 4. Ordnung. 1914 bekamen beide Türme neue Laternen.

Ausgestattet war dieser Leuchtturm anfangs mit einem selbstregulierenden Blaugasapparat. 1936 wurde das Feuer auf elektrisches Licht umgestellt, wobei bis 1948 noch die Energie aus Dieselaggregaten gewonnen werden musste. Seitdem ist der Turm an das elektrische Leitungsnetz angeschlossen. Seit 1977 werden beide Türme von Tönning aus ferngesteuert.

Die beiden Lister Leuchttürme sind mittlerweile vielfotografierte Berühmtheiten. Es dürfte kaum einen Bildband über die Insel Sylt geben, in dem nicht mindestens einer dieser beiden Leuchttürme abgebildet ist. In fast jedem Souvenirshop sind Keramikversionen der beiden Türme erhältlich. Erreichbar sind sie für den Individualverkehr übrigens nur über die Privatstraße auf dem Ellenbogen, für deren Benutzung jeder Pkw-Fahrer Anfang 2003 fünf € berappen musste.

Heute gelten beide als die ältesten gusseisernen Leuchttürme in Deutschland – auf einem vorgefertigte Betonsockel wurden die Gussplatten zusammengesetzt. Diese damals als bahnbrechend angesehene Bauweise war besonders für den Leuchtturmbau sehr interessant, da eine einfache Demontage und ein erneuter Zusammenbau der Türme an anderer Stelle möglich wurde – bei Fahrwasserveränderungen konnte man so mit vergleichsweise geringem Aufwand das Leuchtfeuer an die neuen Gegebenheiten anpassen. Zudem sparte man Geld und Zeit.

Der Bau gusseiserner Leuchttürme setzte sich erst nach 1850 auf dem europäischen Kontinent durch, nachdem bereits 1803 ein erster Turm auf diese Weise in England entstand – in Deutschland perfektionierte vor allem die Firma Pintsch den Bau solcher Leuchttürme, die nach einheitlichen Grundrissen schnell verfügbar waren und leicht an beliebigen Stellen aufgestellt werden konnten.

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