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D | List (West-Feuer)
55° 03' N | 008° 24' E B 1746

Das westliche der bekannten Lister Leuchttürme auf dem Ellenbogen ganz im Norden der Insel Sylt bildet eine kleine Superlative: Er ist der nördlichste Leuchtturm Deutschlands! Der benachbarte Turm List Ost ist zwar rund 2.700 m bzw. 1,5 sm östlich vom Westfeuer aufgestellt worden, liegt aber geographisch einige Meter weiter südlich. Nur einige Schritte abseits der Straße gelegen, ist er recht gut zu erreichen. Von den benachbarten Dünen bietet sich ein atemberaubender Ausblick auf den nördlichsten Flecken Land der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Der Turmschaft ist komplett weiß gestrichen, die Laterne besitzt aber rote Farbe.

Der Leuchtturm wurde am 1. Januar 1858 offiziell in Betrieb genommen. Manche Quellen geben als Baujahr 1852 an, doch meist wird 1856/57 genannt. Dies klingt plausibler, denn erst 1856 soll Dänemark das entsprechende Dünenland gekauft haben, um die beiden Lister Türme aufzustellen. Tatsächlich befand sich Sylt noch bis 1864 unter dänischer Regierung, erst danach wurde die Insel im Tausch gegen andere Ländereien preußisch. Die Dänen waren es auch, die schon um 1839 damit begannen, die Seezufahrt um die Sylter Nordspitze (das Lister Tief) durch Auslegen von Seetonnen und das Aufstellen zweier Baken am so genannten Ostindienfahrerhuk zu sichern.

Von den beiden Leuchttürmen am Ellenbogen ist das Feuer List West das kleinere. Der Gusseisenturm misst nur 9,4 m Höhe bis zur Laterne, insgesamt ist er tatsächlich 11 m hoch. Sein Licht scheint aus einem Linsenapparat 4. Ordnung.

Im Gegensatz zu dem östlichen Leuchtfeuer wurde der Westturm anfänglich mit einem Petroleumglühlichtapparat ausgestattet. 1914 erhielt der Turm eine neue Laterne, und 1927 wurde ein selbstregulierender Blaugasapparat eingebaut. 1936 konnte dann, gemeinsam mit dem Feuer List Ost, elektrisches Licht eingeführt werden, das bis 1948 noch von Dieselgeneratoren erzeugt wurde. Seitdem ist der Turm an das elektrische Leitungsnetz angeschlossen. Seit 1977 werden beide Türme von Tönning, dem Sitz des zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamtes, aus ferngesteuert.

Die beiden Lister Leuchttürme sind mittlerweile vielfotografierte Berühmtheiten. Es dürfte kaum einen Bildband über die Insel Sylt geben, in dem nicht mindestens einer dieser beiden Leuchttürme abgebildet ist. In fast jedem Souvenirshop sind Keramikversionen der beiden Türme erhältlich. Erreichbar sind sie für den Individualverkehr übrigens nur über die Privatstraße auf dem Ellenbogen, für deren Benutzung jeder Pkw-Fahrer 5 € berappen musste (Stand: 02.2003).

Heute gelten beide als die ältesten gusseisernen Leuchttürme in Deutschland – bei ihrem Bau wurden die Gussplatten auf einem vorgefertigte Betonsockel zusammengesetzt. Diese damals als bahnbrechend angesehene Bauweise war besonders für den Leuchtturmbau sehr interessant, da eine einfache Demontage und ein erneuter Zusammenbau der Türme an anderer Stelle möglich wurde – bei Fahrwasserveränderungen konnte man so mit vergleichsweise geringem Aufwand das Leuchtfeuer an die neuen Gegebenheiten anpassen. Zudem sparte man Geld und Zeit.

Der Bau gusseiserner Leuchttürme setzte sich erst nach 1850 auf dem europäischen Kontinent durch, nachdem bereits 1803 ein erster Turm auf diese Weise in England entstand – in Deutschland perfektionierte vor allem die Isselburger Hütte und später die Firma Pintsch den Bau solcher Leuchttürme, die nach einheitlichen Grundrissen schnell verfügbar waren und leicht an beliebigen Stellen aufgestellt werden konnten.

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